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Von Thorben Kahnert und Albrecht-Joachim Bahr
Grohn. Hirse, Mais und braune Flecken. Dazu eine defekte Bewässerungsanlage: Trotz der Erneuerungsmaßnahmen von Stadtgrün Bremen auf dem Fußballfeld des SVGrohn, gleicht der Platz einem Maisfeld. Probleme mit denen sich der Sportverein herumschlagen muss. Der meint: der Zustand des Fußballfeldes ist so katastrophal, dass die Mannschaften des Vereins wegen Verletzungsgefahr nicht darauf spielen dürften. Der SV ist verärgert und stellt die Kompetenz von Stadtgrün in Frage. Bald beginnt die neue Fußballsaison, doch die Mitglieder des SV Grohn erfreuen sich nicht an dem Zustand ihres Hauptspielfeldes auf der Bezirkssportanlage (BSA) Oeversberg. Der Platz war zwar wegen Sanierungsarbeiten zwei Monate lang gesperrt, aber von Erneuerung ist nicht viel zu sehen. Die Strafräume gleichen einem schlecht bewässerten Acker, derweil sich um die Sprinkleranlagen das Wasser sammelt, das eigentlich für das gesamte Spielfeld gedacht ist. So aber ist der Platz auch noch mit etlichen braunen Flecken übersäht. Fußball dürfte wegen der hohen Verletzungsgefahr auf diesem Rasen gar nicht gespielt werden, meint zum Beispiel Patrick Smollarek, Erster Vorsitzender des SVGrohn. Gelegentlich verordneten Schiedsrichter vor Spielbeginn, die Sprinkler gar mit Sand abzudecken.
40000 Euro seien Stadtgrün im vergangenem Jahr vom Sportamt Bremen für die Renovierung der BSA zur Verfügung gestellt worden. Es scheine allerdings so, als ob hier gar nicht oder eben mangelhaft gearbeitet worden sei, mahnt der SVer. "Anstelle von Rasensaat wurden im Bereich der Strafräume Hirsesamen verwendet, was zwar ein nettes Ackerambiente bewirke, doch mache das das Fußballfeld fast unbespielbar." Und Smollarek weiter: "Man verliert das Vertrauen in Stadtgrün, wenn man diese inkompetente Arbeit sieht." Das hintere Spielfeld, das als Ausweichmöglichkeit dienen könnte, wurde seit einer Saison nicht mehr bespielt. Der Grund dafür ist, seiner Meinung nach, eine fehlerhafte Dränagenanlage, die bei Regen das Wasser nicht richtig abführt und dort den Platz deswegen dauernd unter Wasser stehen lässt. "Dieser Zustand ist einer Mannschaft, die in der Bremen Liga spielt nicht zuzumuten." Um wenigstens den Jugendmannschaften eine vernünftige Spielfläche zu bieten, liebäugelt Smollarek mit der Idee, eine Grünfläche im vorderen Bereich der BSA-Anlage zu einem Fußballfeld auszubauen. Nur werde es hierfür wohl kein Geld geben. So will der Erste Vorsitzende des SVGrohn den Platz für die Jugendmannschaften wohl durch Eigeninitiative entstehen lassen. Auch die Besucher der BSA haben es bei Regen nicht leicht. Der Besucherparkplatz besteht ausschließlich aus Erde und Sand. Bei Regen verwandelt sich das ganze in eine Matschlandschaft und Gäste können nur hoffen, dass sie mit ihren Autos nicht stecken bleiben. Um trockenen Fußes zum Spiel zu gelangen, führt der Weg nicht selten über die benachbarte BMX-Anlage, was die Betreiber dort natürlich stört. Aber auch für die Parkplatzsanierung wird es, befürchtet Smollarek, kein Geld geben.
Vorab schon hatte sich der SV-Vorsitzende mit Stadtgrün in Verbindung gesetzt. Die Antwort kam prompt, jedenfalls was den Zustand des frisch angesäten Rasens anbelangt. Da findet Klaus Blohm, bei Stadtgrün verantwortlich für Vegesack und Blumenthal, wirklich nur noch Worte des Bedauerns: "Ihre Enttäuschung kann ich sehr gut nachvollziehen", und macht sich auf, der Sache auf den Grund zu gehen. Beim Lieferanten des Saatguts nachgefragt, habe dieser geantwortet, dass der gelieferte Samen weder Hirse noch Mais enthalten habe. Die seien wahrscheinlich Bestandteil des gelieferten Oberbodens gewesen, der zur Auffüllung der Strafräume, der, extra gesiebt und besonders sauber, aus einem Maisfeld stamme. Durch das Sieben werden die Samen allerdings nicht entfernt. Bei einer erneuten Bestellung würde der Lieferant genau nach der Herkunft des Bodens befragt. Wie auch immer, für Blohm steht fest: Regressanspruch kann er nicht stellen. Aber der Stadtgärtner vertröstet: "Durch Mähen und Bespielen wird sich die Hirse zugunsten der trittfesten Sorten zurückziehen." Darüber hinaus könne man auch versuchen, einzelne Hirsegräser per Hand in mehreren Arbeitsschritten zu entfernen.
Was die Bewässerung des Platzes anbetrifft, so meinte Blohm gestern auf Anfrage, dass dieser Bereich "hochkomplex ist". Die Sprinkleranlage sei zum einen garantiert älter als zehn Jahre, weise erhebliche Mechanismusprobleme auf und "wir doktern andauernd daran rum"; außerdem glaubt er, dass die Anlage verstellt worden sei, von wem auch immer. Zusätzliches Problem: Der nahebei gelegene Tennisplatz hänge am selben Brunnen, was Komplikationen mit dem Pumpensystem nach sich zöge. Blohm kann, sagt er, die Unzufriedenheit des SV Grohn schon verstehen. Aber so wie Stadtgrün bei der Sanierung des Platzes vorgegangen sei, mache schon Sinn. Und Blohm zählt auf: Dränage gereinigt, Hebeanlage und Sammler repariert, die Regner freigeschachtet und instandgesetzt zudem die gesamte Besandung aufgelockert und saniert. "Natürlich", sagt Blohm, "wäre zum Beispiel eine neue Dränage erstrebenswert. Aber die 30000 Euro, die wir 2006 vom Sportamt bekommen haben, reichen nun mal für einen neuen Platz nicht aus".
Die Norddeutsche vom 05. August 2009
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