|
Von Jens Pillnick
Grohn. Der SV Grohn macht sich sportlich gesehen für das im Jahr 2011 anstehende 100-jährige Vereinsjubiläum so richtig hübsch. Die erste Herrenmannschaft befindet sich als Aufsteiger - nimmt man den Saisonauftakt mit vier Punkten aus zwei Spielen als Maßstab - auf dem angestrebten Weg, sich in der Fußball-Bremen-Liga zu etablieren, und auch die Frauen haben einiges vor. Bei den "Husarinnen" wird ganz unverblümt vom Verbandsliga-Aufstieg gesprochen. Ein Ziel, das der Frauen-Fußball-Landschaft in Bremen-Nord bestens zu Gesicht stehen würde, denn sie fristet ein Mauerblümchen-Dasein. Zwar gibt es hier und da Bemühungen, den Aufwind vor der 2011 im eigenen Land stattfindenden Weltmeisterschaft mitzunehmen, doch der große Paukenschlag fehlt noch. Aktuell sieht es so aus, dass aus dem Fußball-Kreis Bremen-Nord in zwei 7er-Landesliga-Staffeln mit dem 1. FC Burg, SV Eintracht Aumund, Lüssumer TV, SG Aumund-Vegesack und SG Marßel fünf Vereine vertreten sind. "Richtig" Fußball - also auf dem Großfeld, über zweimal 45 Minuten und mit Abseits - wird allerdings nur vom SV Grohn in der 11er-Landesliga betrieben. Eben aus dieser Landesliga möchten sich die "Husarinnen", die mit Katharina Kabeck (ATSV Sebaldsbrück), Medya Kut, Latifa Elmala (beide vereinslos), Nadine Buck (FC Hansa Schwanewede) sowie Mandy und Nancy Klautzsch (beide Blumenthaler SV) sechs Neue in ihrem Kader haben, baldmöglichst Richtung Verbandsliga verabschieden und bekommen für dieses Vorhaben auch grünes Licht von Vorstandsseite. "Unser erster Vorsitzender Patrick Smollarek fragt mich schon immer, wann wir aufsteigen", erzählt Heinz Tienken, der heute als Co-Trainer und Team-Manager fungiert. Der 61-Jährige hatte die Mannschaft 2002 ins Leben gerufen und bezeichnet sich selbst als "begeisterter Frauen-Fußball-Anhänger". 2005 kam dann mit Ali Özelcanat ein neuer Trainer hinzu, seit 2007 sind die Grohnerinnen auf dem Großfeld aktiv. Der Wechsel von der 7er- in die 11er-Landesliga wurde dadurch möglich, dass die Grohner mit der Jakobs University einen Kooperationsvertrag abschlossen und so zu einer entsprechenden Quantität und Qualität kamen. Mit dieser Veränderung wandelte sich auch das Anspruchsdenken: Standen bis dahin Spaß, Kameradschaft und Teamgeist im Vordergrund, so gesellte sich dann laut Heinz Tienken Ehrgeiz hinzu: "Jetzt wollten die Frauen auch den Erfolg und die Meisterschaft." Was Tienken besonders freute: Nach dem mit Skepsis betrachten Wechsel aufs Großfeld wollten die Frauen von diesem neuen Terrain gar nicht wieder herunter. Jetzt, kurz vor dem Startschuss in die dritte Saison auf dem Großfeld, spricht Trainer Ali Özelcanat ganz offen vom Aufstieg: "Wir wollen eigentlich Meister werden." Eigentlich - dieses Wort lässt diese Zielsetzung nicht vollauf überzeugend klingen. Zweifel, die daraus resultieren, dass dem SV Grohn eine richtige Torfrau fehlt und mit Trainer-Ehefrau Handan Özelcanat derzeit eine Feldspielerin zwischen den Pfosten steht. "Wir suchen eine Torfrau - dann ist der Aufstieg möglich", hat Ali Özelcanat die Hoffnung auf die Lösung des Problems aber noch nicht aufgegeben. In der Offensive sind die "Husarinnen" hingegen glänzend besetzt und können damit auch so manchen Gegentreffer durch Top-Torjägerin Levken Scheidegger ausbügeln. "Ein absolutes Ass, Oberligist ATSV Scharmbeckstotel hat auch schon versucht, sie abzuwerben", berichtet Heinz Tienken und freut sich, dass die Grohner weiterhin auf die Tor-Lieferung der 20-jährigen Deutsch-Kanadierin, die an der Jacobs University studiert, bauen können. Ihr zur Seite steht mit Inga Schlimme ein zweiter Torgarant, der für eine geballte Durchschlagskraft der "Husaren"-Offensive sorgt. Der 9:2-Testspielsieg gegen Tura Bremen unterstrich jedenfalls schon mal den Torhunger der am morgigen Sonntag um 10 Uhr beim Habenhauser FV in den Kampf um den Verbandsliga-Aufstieg startenden Grohnerinnen.
Die Norddeutsche vom 22. August 2009
|